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Au-Pair oder Work & Travel in Neuseeland – Gastbeitrag von Anna Surma

Au-Pair oder doch Work & Travel? Und wo liegen überhaupt die Unterschiede?

 

Neuseeland ist, ähnlich wie Australien, ein Land, dass sich dank seines Working Holiday Visums perfekt für eine längere Auszeit eignet. Sei es nach dem Schulabschluss, zwischen Bachelor und Master, nach dem Ende der Ausbildung oder einfach so, weil man mal raus möchte. Die Bilder und Erfahrungsberichte, die sich online und in Reiseführern finden lassen, sind in jedem Fall verheißungsvoll. Da möchte man in der Tat gerne direkt den nächsten Flug buchen.

Aber bevor man überhaupt mit der genauen Planung beginnen kann, muss man sich natürlich klarwerden, wie genau der Auslandsaufenthalt aussehen soll.

Anna am Muriwai Beach

 

Au-Pair oder Work & Holiday

Zwei der gängigsten Varianten sind hier immer wieder ein Au-Pair Jahr und der Work & Travel Aufenthalt. Viele junge Menschen kommen Jahr für Jahr nach Neuseeland, um hier entweder als Teil einer Gastfamilie als Au-Pair zu arbeiten, oder um beim Work & Travel durch das Land zu reisen und hierbei zwischendurch für mehrere Wochen oder auch Monate mit typischen Backpacker-Jobs die Reisekasse wieder zu füllen.

Wiesen und Meer

 

Orientierungshilfe

Aber woher genau weiß ich, was das Richtige für mich ist? Genau vor dieser Frage stand ich vor meinem Auslandsaufenthalt auch. Da ich sowohl als Au-Pair gearbeitet habe, als auch Work & Travel gemacht habe, kann ich an dieser Stelle mittlerweile auf ein paar Erfahrungen zurückblicken, die ich hier gerne mit euch teile. Ich möchte euch vor allem zeigen, wo die Unterschiede liegen und welche Vor- und Nachteile beide Varianten mit sich bringen. Das Ganze dient selbstverständlich nur der Orientierung und als Entscheidungshilfe. Denn entscheiden müsst ihr ganz alleine für euch selber. Und das ist auch absolut gut so, denn am Ende wisst ihr immer noch selbst am besten, was das Richtige für euch ist.

 

Leben und Arbeiten als Au-Pair

Ein Auslandsaufenthalt als Au-Pair ist die ideale Möglichkeit für Alle (Ja, ALLE! Auch für Jungs gibt es Stellen und ich habe selber ein paar männliche Au-Pairs kennengelernt, die ihren Job absolut toll fanden), die natürlich in erster Linie gerne mit Kindern arbeiten. Ihr lebt mit eurer Gastfamilie zusammen und seid für die Betreuung und Versorgung der Kinder zuständig, sowie in vielen Fällen für ein paar leichte Aufgaben im Haushalt. Im Gegenzug erhaltet ihr freie Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld. Ihr habt ein eigenes Zimmer im Haus der Familie, in vielen Familien sogar ein eigenes Bad. Ganz schön komfortabel also.

Wasserfall bahnt sich den Weg durch das grüne

 

Arbeitsalltag

Euer genauer Arbeitsalltag ist natürlich individuell von der Familie, den Kindern und den Arbeitszeiten der Eltern abhängig. In Gastfamilien, die nur schulpflichtige Kinder haben, seid ihr in der Regel dafür zuständig diese zur Schule und ihren Freizeitaktivitäten zu bringen, aber auch für das Abendessen. Der zeitliche Anteil, in denen ihr die Kinder wirklich beschäftigen müsst und euch coole Aktionen für sie überlegen könnt, ist also gering. Im Gegensatz zu Familien, die keine schulpflichtigen Kinder haben, oder die Kinder nur teilweise bereits in die Schule gehen. Hier geht es natürlich besonders darum, die Kinder zu beaufsichtigen und sie Tag für Tag tolle Dinge erleben zu lassen. Das kann vom Spielplatzbesuch, über Basteln bis hin zum Backen alles sein. Eurer Kreativität als Au-Pair sind keine Grenzen gesetzt. Aber wie gesagt, jede Familie ist anders und damit sieht auch ein Arbeitstag bei jedem Au-Pair anders aus. Genauso wie die Arbeitszeiten. Die variieren zwischen 20 und 45 Wochenstunden. Umso mehr Stunden, desto höher das wöchentliche Taschengeld, logisch.

 

Wie werde ich Au-Pair?

Um einen Job als Au-Pair zu finden gibt es verschiedene Möglichkeiten.

  1. Ihr geht über eine Agentur mit Sitz in Deutschland. Hier wird eine Programmgebühr fällig. Ihr habt schon in Deutschland einen Ansprechpartner und in der Regel habt ihr nach Ankunft im Zielland erst ein paar „Orientation Days“, bevor es weiter in die Familien geht. Im Zielland selbst ist eigentlich nur noch die jeweilige Agentur vor Ort für euch zuständig.

 

  1. Ihr wendet euch direkt an Agenturen in eurem Wunschland. Hier wird nur manchmal eine Gebühr fällig, oft jedoch nicht. Auch hier habt ihr meistens „Orientation Days“ und die Agenturen veranstalten nicht selten Ausflüge und Wochenendtrips für die von ihnen betreuten Au-Pairs.
Empfohlener Beitrag:  Umzug im doppelten Sinne - Reisebericht

 

  1. Ihr sucht euch auf eigene Faust eine Gastfamilie über Aupairworld.com. Hier zahlt ihr keine Programmgebühr, denn die Plattform arbeitet nach dem Prinzip der Selbstvermittlung. Das bedeutet, dass ihr euch ein Profil erstellt und selbst nach Gastfamilien sucht, die ebenfalls Profile online haben. Das Ganze funktioniert weltweit, ihr seid dann allerdings ohne Agentur vor Ort.

 

Es gibt bestimmt noch mehr Möglichkeiten, das hier sind aber meines Wissens nach die gängigsten. Andere Au-Pair Agenturen findet ihr ganz leicht selbst im Internet, mit ein wenig Recherche und Vergleichen habt ihr auch schnell die passende für euch herausgefunden.

Meiner Meinung nach braucht ihr nicht zwangsläufig eine Agentur, teilweise können die aber in Krisensituationen, wenn du deine Gastfamilie unbedingt verlassen musst oder möchtest, natürlich unterstützen. Das ist aber eine Charakterfrage, denn man kommt auch sehr gut alleine klar.

Wasserfall und Bäume

 

Work & Travel und die Unterschiede zum Au-Pair Leben

Der wohl größte Unterschied von Work & Travel zum Au-Pair Leben besteht wohl darin, dass Du keinen festen Wohnsitz und keinen festen Job haben wirst. Du bist definitiv unabhängiger und flexibler unterwegs. Ich möchte hier gar nicht so genau darauf eingehen, wie Work & Travel funktioniert, denn erstens findet ihr hier auf Projekt Neuseeland schon so einiges an Informationen und zweitens sagt der Begriff Work & Travel ja auch schon alles, oder?

Ähnlich wie beim Au-Pair gibt es die Variante sein Work & Travel mit Agentur zu starten. Aber auch hier scheiden sich die Geister und es kommt immer darauf an, ob ihr zu Beginn ein wenig das Gefühl der Sicherheit braucht, oder ob ihr euch das Geld für eine Agentur sparen und alleine loslegen möchtet. Gerade in Neuseeland ist das echt nicht schwer und ihr findet hier auf dem Blog auch schon einen Beitrag, warum ihr keine Agentur braucht.

Warum du ohne Agentur starten solltest findest du hier im Blogbeitrag.

 

Ich habe dir abschließend und zur Übersicht noch einmal die Unterschiede, aber auch Pro und Contra eines Au-Pair und Work & Travel Aufenthaltes zusammengefasst:

 

Pro & Contra der beiden Varianten

 

PRO

CONTRA

Work & Travel

Ø  Du bist unabhängig und flexibel unterwegs

Ø  Du siehst mehr und schneller etwas vom Land 

Ø  Du verdienst mehr Geld (Ja, natürlich musst du für Unterkunft & Verpflegung selbst zahlen, aber wenn du nicht wie Gott in Frankreich hausieren und speisen möchtest, behältst du im Endeffekt mehr über)

Ø  Mehr Zeit (& Geld) zum Reisen

Ø  Die Länge der Zeiträume, in denen du reist, kannst du selbst gestalten. Solange wie es die Reisekasse eben hergibt. 🙂

 

 

 

Ø  wenn du arbeitest, arbeitest in der Regel mehr als bei einem Au-Pair Job (höhere Stundenanzahl)

Ø  in der Zeit, in der du arbeitest, hast du wenig Zeit um die Umgebung zu erkunden (bei vielen Saisonjobs arbeitest du 6 Tage die Woche

Ø  Gerade die Jobs im Fruitpicking oder auf einer Farm, die mit zu den beliebtesten Saisonjobs gehören, sind nicht immer nur ein reines Zuckerschlecken. Dessen solltest du dir vorher bewusst sein. Sie können körperlich ziemlich anstrengend sein. 

 

Au-Pair

Ø  Du hast direkt eine einheimische Familie als Ansprechpartner und somit einen festen Anlaufpunkt

Ø  Du hast dein eigenes Zimmer, oft auch eigenes Bad

Ø  Du erhältst ein regelmäßiges, wöchentliches Taschengeld zu deiner freien Verfügung

Ø  Für deine Unterkunft und Verpflegung sorgt deine Gastfamilie

Ø  Du kannst bequem und ganz in Ruhe an den Wochenenden von deinem Wohnsitz aus die nähere Umgebung und das Land erkunden

Ø  Nach einem gewissen absolvierten Zeitraum hast du Anspruch auf bezahlten Urlaub. Je nach Länge deines Vertrages sind das zwischen 1 und 4 Wochen

Ø  Du tauchst so richtig in den „Kiwi Way of Life“ ein

Ø  Du bist eben fest an einem Ort und kannst Neuseeland erstmal nur an den Wochenenden erkunden

Ø  Das Taschengeld ist nicht schlecht, aber reich wirst du damit sicherlich nicht. Für längere Reisen musst du entweder vorher in Deutschland schon gut Geld gespart haben oder nach Ende deines Au-Pair Daseins nochmal ein paar Wochen in einem typischen Backpacker-Job arbeiten, um eventuelle Reisen im Anschluss zu finanzieren

Ø  Du bist nicht so flexibel und unabhängig, denn bei der Planung deiner Freizeitaktivitäten oder deines Urlaubes musst du natürlich mit deiner Gastfamilie Rücksprache halten und auf ihre Pläne Rücksicht nehmen.

 

 

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Und was genau ist jetzt das richtige für mich?

Nachdem ich euch das Au-Pair leben ein wenig erläutert, die Unterschiede nochmal deutlich gemacht und Pro & Contra aufgezeigt habe, seid ihr bei eurer Entscheidung hoffentlich ein wenig weitergekommen. Ich habe euch zum Schluss nochmal eine kleine Entscheidungshilfe zusammengestellt. Aber auch hier nochmal der Hinweis: Ihr ganz alleine müsst euch mit eurer Entscheidung wohlfühlen. Lasst euch da nicht reinreden und schaut, was euch am besten gefällt und wovon ihr glaubt, dass es das Richtige ist.

Gut zu wissen ist außerdem, wenn ihr euch für Work & Travel entscheidet, dass ihr in Facebook-Gruppen oder auf Aupairworld.com des Öfteren auch kurzfristige Stellenangebote für Stellen als Au-Pair findet. Manchmal suchen Familien ganz gezielt nach Au-Pairs, die nur für wenige Wochen die Zeit bis zum nächsten „Longterm-Au-Pair“ überbrücken. Vielleicht eine Möglichkeit beides kennenzulernen, wenn ihr euch nicht entscheiden könnt.

Meer und Steine

 

Schon in Neuseeland?

Ihr seid in Neuseeland angekommen, schon ein paar Wochen unterwegs und irgendwie läuft es nicht so hundertprozentig rund? Lasst den Kopf nicht hängen, es ist nicht allzu schwierig als Backpacker vor Ort eine Stelle als Au-Pair zu finden. Umgekehrt kannst du natürlich auch deinen Job als Au-Pair kündigen, wenn er dir gar nicht liegt und dir einen Job wie das Fruitpicking oder ähnliches suchen. Dabei solltest du natürlich im Hinterkopf behalten, dass du in der Regel eine Kündigungsfrist hast und nach der Kündigung noch ein bis zwei Wochen mit der Familie zusammenleben musst. Die meisten Familien reagieren aber gut, wenn du sie offen und ehrlich über deine Beweggründe aufklärst.

 

Ein Job als Au-Pair wäre etwas für dich, wenn:

  • Du jünger als 26 Jahre bist (Die meisten Agenturen haben hier eine Altersgrenze, über Facebook-Gruppen oder auch aupairworld.de klappt es manchmal auch, wenn man schon älter ist.)
  • Du als allerstes Spaß an der Arbeit mit Kindern hast
  • Du dir vielleicht noch zu unsicher bist, ob du direkt ganz alleine ein Land bereisen möchtest und lieber die Sicherheit einer Gastfamilie genießen möchtest
  • Du bereit bist, dich in eine andere Familie und ihren Alltag zu integrieren
  • Du vor allem die neuseeländische Lebensweise kennenlernen möchtest, anstatt möglichst viel vom Land und seiner Natur zu sehen
  • Du ein Work Visa (Work & Holiday) für Neuseeland bekommen kannst

 

Work & Travel wäre etwas für dich, wenn:

  • Du ganz individuell arbeiten und reisen möchtest
  • Du Lust hast, dir deinen Aufenthalt in Neuseeland komplett selber zu organisieren, von der Unterkunft, über die Verpflegung, bis hin zu den Orten, die du entdecken möchtest
  • Du bereit bist, deine Reise für mehrere Wochen oder auch Monate zu unterbrechen, um die Reisekasse aufzubessern
  • zwischen 18-30 Jahren jung bist
  • ein Work Visa (Work & Holiday) für Neuseeland bekommen kannst

 

Über die Autorin:

Anna Surma ist 24 Jahre jung und gerade in Neuseeland. Der Artikel ist aus ihrer Erfahrung entstanden.

Schlusswort:

Ich bin in einer ähnlichen Situation gewesen und habe mich vor Ort dazu entschieden, statt einem Au-Pair Job, doch Work & Travel zu machen und kann dir bestimmt in vielen Dingen weiterhelfen. Ansonsten darfst du mich auch gerne auf meinem Blog withwildhearts.com, auf dem es nicht nur Eindrücke und Berichte aus Neuseeland gibt, oder auf Instagram @withwildhearts_ besuchen.

Bei Fragen schreibe gerne einen Kommentar oder mir gerne eine E-Mail an hello@withwildhearts.com. Eure Anna.

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