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Interview mit Isabel, auswandern nach Neuseeland – Backpacker Tipps

Hallo Isabel, bitte stell dich kurz unseren Lesern vor:

Mein Name ist Isabel Bürschgens und 2014 bin ich mit meinem Mann im Alter von 25 Jahren nach Neuseeland ausgewandert.

 Portrait Foto Isabell

 

Was hast du vorher in Deutschland gemacht?

Nachdem ich in Stuttgart meinen Bachelorabschluss gemacht hatte, war ich für drei Jahre in den Niederlanden. Zwei Jahre davon für meinen Masterabschluss und ein Jahr arbeitete ich bei Heinz in der Produktentwicklung für Baked Beans. Als mein Vertrag auslief, war es einfach Zeit, etwas Neues zu machen!

 

Wieso hast du dich für Neuseeland entschieden, gab es andere Länder, die ebenfalls interessant waren?

Wir wollten in ein Land gehen, dessen Sprache wir sprechen, also entweder Deutsch oder Englisch. Wir haben anfangs über die USA nachgedacht und uns drei Jahre nacheinander erfolglos bei der Green Card Lottery beworben. Kanada war uns zu kalt und über Australien hatten wir vielleicht ein etwas falsches Bild, mit Wüste, Spinnen und Alligatoren. Also blieb irgendwie nur Neuseeland übrig.

grüne Wälder und Berge in Neuseeland

 

Warum hast du dich für ein Work & Holiday Visum entschieden?

Wir informierten uns über die verschiedenen Visaoptionen für Neuseeland und merkten schnell, dass das Working Holiday Visum recht einfach zu bekommen ist und auch vergleichsweise günstig. Es gäbe uns immerhin ein Jahr Zeit in Neuseeland Fuß zu fassen, und wenn es uns nicht gefallen sollte, hätten wir nicht allzu viel in die Auswanderung investiert. Da mein Mann gerade 30 Jahre alt wurde, war es sowieso die letzte Chance, die wir dafür hatten.

 

Was hat dich besonders begeistert in Neuseeland?

Mich hat hauptsächlich die Natur gereizt mit ihrer großen Vielfalt: Strand, Meer, Regenwald, vulkanische Berglandschaften– und alles so nah zusammen! Zudem habe ich mir sagen lassen, dass die Neuseeländer sehr relaxt sein sollen und es somit in der Arbeitswelt weniger streng zugeht.

 Wasserfall und Isabell mit ihrem Mann

 

Wie bist du damals durch Neuseeland gereist?

Anfangs hatten wir einen Mietwagen, kauften uns aber recht schnell einen Kombi, mit dem wir ein paar Ausflüge machten. Zum Reisen blieb leider wenig Zeit, da wir schon bald beide Vollzeit arbeiteten.

 

Fandest du es einfach hier in Neuseeland Arbeit zu finden während deines WHV?

Da wir niemals vorhatten, als Backpacker durchs Land zu reisen, bewarben wir uns schon von Deutschland aus auf Jobs in unserer Branche. Mit einer deutschen Adresse auf dem Briefkopf bekamen wir aber nur Absagen oder wurden komplett ignoriert. Von Neuseeland aus klappte das schon viel besser. Bene startete nach drei Wochen in seinen neuen Job und ich in der vierten Woche. Dass wir nur ein Working Holiday Visum hatten, störte unsere Arbeitgeber zum Glück nicht.

Isabell und ihr Mann auf einem Berg mit super Aussicht

 

Wie ging es nach deinem WHV weiter? Wann fiel die Entscheidung, in Neuseeland zu bleiben?

Nach einem knappen halben Jahr waren wir uns beide einig, dass wir nicht so schnell wieder nach Deutschland zurück wollten, und wir fingen an, uns über unsere Möglichkeiten zu informieren. Wir schauten uns die Kriterien der verschiedenen Visa im Internet an und beschlossen, es mit der Long Term Skill Shortage List zu versuchen.

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Wie bist du an dein Folgevisum gekommen und was musstest du an Formularen/Dokumenten ausfüllen? War es schwierig die Voraussetzungen zu erfüllen?

Für das Visum unter der Long Term Skill Shortage List füllten wir allerhand Formulare aus, beantragten das polizeiliche Führungszeugnis aus Deutschland, gingen zum medizinischen Gutachten und ließen Zeugnisse übersetzen. Der komplette Antrag mit allen Anhängen umfasste knapp 200 Seiten (Link zur Immigration Webseite mit den Anforderungen für Work Visa). Vier Monate und einige Hundert Dollar später mussten wir feststellen, dass die neuseeländische Bürokratie der deutschen in nichts nachsteht. Das Visum wurde  meiner Meinung nach aus  willkürlichen Gründen abgelehnt. Nun blieb uns leider nicht mehr genug Zeit für einen Antrag unter der Skilled Migrant Kategorie, sodass wir uns etwas in der Zwickmühle befanden. Wir beschlossen, einen Einwanderungsberater zur Hilfe zu holen, legten ein weiteres Vermögen auf den Tisch und hielten dadurch zwei Wochen vor Ablauf des Working Holiday Visums wenigstens ein Work Visa in der Hand. Dies verschaffte uns und unserem Berater zwei Jahre Zeit für die Skilled Migrant Kategorie, über die wir schließlich Residents wurden.

Isabell und ihr Mann am Strand

 

Wo siehst du dich persönlich in 5 Jahren?

Wir haben vor Kurzem ein Haus in Auckland gekauft. Das gilt es erst einmal abzubezahlen. Deswegen werden wir wohl vorerst hier bleiben und nicht auf‘s Land ziehen. Auf lange Sicht würde ich aber gerne meine Arbeitszeiten reduzieren, um mehr Zeit für die Schönheiten des Landes zu haben. Vielleicht mache ich mich auch irgendwann selbstständig. Das soll in Neuseeland viel einfacher sein als in Deutschland.

 

Nachdem du jetzt ja schon ein paar Jahre in Neuseeland bist, wirst du mittlerweile mehr als Local oder immer noch als Fremde angesehen?

Weder noch. Ein Local werde ich wohl niemals werden. An meinem Akzent hört man sofort, dass ich nicht von hier bin. Zudem finde ich es recht schwer, mit Neuseeländern engen Kontakt aufzubauen. Außer meinen Kollegen auf der Arbeit habe ich eigentlich nur deutsche Freunde. Als Fremde werde ich aber auch nicht angesehen. Neuseeland ist ein Einwanderungsland, da ist man gewohnt, auf andere Nationen zu treffen. Abweisend sind Neuseeländer mehr den Indern und Asiaten gegenüber, als Europäer gehört man schon eher dazu.

 

Vermisst du etwas aus Deutschland? (Essen, Sozialsystem, Pünktlichkeit, o.Ä.?)

Das Sozialsystem vermisse ich ganz und gar nicht. Ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass am Ende vom Monat noch so viel Netto vom Brutto übrig bleibt. Man trägt jedoch selbst die Verantwortung, für schlechte Zeiten vorzusorgen. Das liegt nicht jedem. Mangelnde Pünktlichkeit ist auch nicht unbedingt ein Problem, eher Mangel an Qualitätsarbeit. Nicht nur Handwerker arbeiten nach dem Prinzip „Ach, das passt schon so.“ Aber am meisten fehlt mir das gute und billige Essen aus Deutschland. Viele Sachen kann man hier kaufen, aber zu horrenden Preisen. Andere Speisen muss man wohl oder übel lernen, selbst zuzubereiten.

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Würdest du diesen mutigen Schritt anderen empfehlen und wenn ja, warum?

Wenn man so eine drastische Veränderung in seinem Leben plant, muss man sich darüber im Klaren sein, was man in Deutschland aufgibt. Hat man eine gute Arbeitsstelle, ein eigenes Haus, einen großen Freundeskreis? Nicht jedem liegt es, am anderen Ende der Welt, weit weg von der Familie zu leben. Auf der anderen Seite ist es heutzutage einfacher denn je über das Internet Kontakt zu halten. Und wenn es gar nicht klappt, kann man ja auch jederzeit wieder zurückkehren. Der Schritt ist ja nicht endgültig. Also, nur Mut!

 

Gibt es etwas, das du anderen empfehlen würdest, die mit dem Gedanken der Einwanderung nach Neuseeland spielen?

Ich habe unsere komplette Geschichte vom ersten Gedankenspiel, über die tatsächliche Auswanderung bis hin zum ersten Heimatbesuch in einem Buch festgehalten. Es trägt den Titel „Abenteuer Auswanderung – Ein neues Leben in Neuseeland“* und ist im März 2017 im Interconnections Verlag erschienen. Darin kann der Leser sich mit uns noch einmal auf die Reise begeben und alle Höhen und Tiefen, alle Freuden und Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellten, miterleben.

 

Was war deine schönste bzw. unschönste Erfahrung, seitdem du in Neuseeland bist?

Die unschönen Erfahrungen drehen sich alle rund um die Einwanderungsbehörde. Zwischenzeitlich wurden wir wie Verbrecher behandelt und mussten sogar eine eidesstattliche Erklärung abgeben, notariell beglaubigt, dass es uns alles ganz schrecklich leidtut. Mir ist zwar bis heute noch nicht ganz klar, was wir falsch gemacht haben, aber es tut uns aufrichtig leid! Viele der Regeln sind die reinste Schikane und eine Abzocke noch dazu. Vermutlich wollen sie es den Bewerbern schwer machen, weil sie sich sonst gar nicht mehr vor Einwanderwilligen retten könnten.

 

Am schönsten ist es natürlich immer im Urlaub oder auch nur am Wochenende. In nicht einmal einer Stunde ist man ans Meer gefahren oder auch zum Wandern in den Nationalpark. Das Naturparadies liegt quasi direkt vor unserer Haustüre! Und das Beste ist, mein Geburtstag liegt jetzt im Sommer!

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